Lenneper Badekultur

16 Juli 2009 , Verfasst in Aus dem alten Lennep 

Jetzt ist es gerade so heiß, da könnten wir doch baden gehen! Über das von der ehemals ortsansässigen Industriellenfamilie Hardt finanzierte und von ihrem Baumeister Albert Schmidt erbaute Lenneper Hallenbad von1886, das heute ein Jugendzentrum ist, ist schon oft berichtet worden. Im Prinzip kann man es an der Wallstraße ja auch noch sehen, und zu besonderen Anlässen ist auch eine Besichtigung der dortigen „Unterwelt“ erlaubt, die die Badenden früher nie zu Gesicht bekommen hatten. Auch die gegenwärtigen Bademöglichkeiten sind den Lennepern durchaus bekannt. Wohl kaum noch im Bewusstsein der Lenneper ist jedoch die wahrscheinlich erste Badeanstalt im Städtchen. Zumindest konnte durch den Verfasser dieser Zeilen keine frühere nachgewiesen werden:

Am 15. Juni 1843 inserierte Martin Käsmacher im „Lenneper Kreisblatt“ folgende Anzeige: „Mit dem heutigen Tage eröffne ich meine Bade-Anstalt; wie in den früheren Jahren empfehle ich mich mit kalten, warmen Tusch-, Staub, Stahl-, Salz- und anderen Bädern und bitte um geneigten Zuspruch“. Dieses angepriesene reinliche Badeinstitut befand sich gegen Ende der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts am heutigen Mollplatz, der damals aber weder Moll- noch Kaiserplatz hieß, dort, wo später das Krieger- und Kaiserdenkmal erbaut wurde, „vor dem Lüttringhauser Tor“, und wo in noch früheren Zeiten auch das sog. „Drieselhäuschen“ stand. Man kann aus dem allen ersehen, dass die Lenneper auch schon vor der Erbauung ihrer überregional berühmten Wasserleitung ein sauberes Völkchen waren.

Während es vom Areal des ganz alten Mollplatzes allenfalls noch Zeichnungen gibt, so gibt es doch vom historischen Lenneper Freibad noch Postkarten. Ende 1871 gründeten Lenneper Bürger eine Aktien-Gesellschaft zum Betrieb einer Schwimm- und Badeanstalt an der Udelschen Beek. Dieses Freibad hatte auch den Namen „Kakaoteich“. Udelsche Beek heißt das Bächlein, das in Lennep den Talsperrenweg kreuzt und den immer noch vorhandenen Neuenteich speist. Durch die Errichtung der o.g. geschlossenen Badeanstalt an der Wallstraße im Jahre 1886 wurde der Kakaoteich nicht mehr so oft besucht, aber noch 1910 beschloss die Stadtverordnetenversammlung eine gründliche Reinigung des Badeteiches und der dazugehörigen Halle, finanziert aus Sparkassenüberschüssen. Auf den erhaltenen Postkarten konnte man eine „Gruß aus dem Städtischen Freibad“ senden. Meist wurden die Aufnahmen vom oberen Teil des Talsperrenwegs gemacht, manchmal sieht man die Badeanstalt in voller Größe mit den Gästen am Uferrand und auf dem Sprungbrett, manchmal war die Sicht so gestaltet, dass man die in Richtung Ringstraße liegende Fabrik mit ihren Shed-Dächern oder sogar halb Lennep mit seinen „drei“ Kirchen sehen konnte. Im Laufe der Jahre wurde die Anlage unmodern und immer unsauberer, und es war schöner, an heißen Tagen am Wupperwehr in Krebsöge zu schwimmen. Das Areal wurde später aufgefüllt und zu einem Tennisplatz umgebaut.

Auch der Hauptschriftleiter des Lenneper Kreisblatts, der unter dem Pseudonym „Fritz aus dem Wieschen“ so manche besinnliche und erbauliche Geschichte über Lennep schrieb, suchte früher in seiner Freizeit gerne das genannte Freibad auf. Seine Leidenschaft war das Schwimmen. So ging er oft zum Talsperrenweg, wie auch an einem kühlen Sonntagmorgen im Mai. Der Weg führte ihn durch die Rospattstrasse vorbei an der „dicken Eiche“, die um 1900 dort an der Ecke Ringstraße stand, herunter ins Tal zur Badeanstalt. Kaum war er im Wasser, als der Bademeister Otto Hasselkus herbeikam und wütend rief: “Du bös woll nich gescheit, dat Water hätt hüt nur negen (neun) Grad. Raus! On ab no Hus!“

Ein weiteres historisches Freibad befand sich im Rahmen einer Freizeitanlage, in der auch gerudert werden konnte, an der „Villa Tocksiepen, Vergnügungsetablissement und Hotel-Restaurant“ von Ernst Hogard an der Rader Straße. Der Verfasser dieser Zeilen badete selbst dort mit seinen Schulfreunden noch Anfang der 1960er Jahre, allerdings in einem eher flachen und verschmutzten Tümpel. Im Gegensatz dazu erscheint auf den Historischen Postkarten aus der Hogardzeit die Anlage insgesamt sehr großzügig und wie die Vorform eines heutigen Freizeitsparks, mit Karussell, Schießbuden und Liegeplätzen, und der Ruderteich mutet an wie ein größerer See.

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