Lambert Rospatt (1829-1902), Landrat in Lennep

19 April 2012 , Verfasst in Aus dem alten Lennep 

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,als ich während er Osterfeiertage in meinem Lennep-Archiv in den noch nicht zugeordneten Materialien stöberte, da fiel mein Blick auf eine gut erhaltene, wenn auch vergilbte Fotografie aus dem vorletzten Jahrhundert, darauf waren Lenneper Landwehr-Reservisten in Uniform abgebildet, die meisten davon konnte ich aufgrund einer beigegebenen Beschriftung sofort zuordnen, weil ich deren Namen aus den persönlichen Erinnerungen meines Urgroßvaters Albert Schmidt kannte. Die bekannteste Person in diesem Kreise war sicherlich ein Mann namens Lambert Rospatt, der über eine Straßenbenennung in Lennep noch heute zumindest dem Namen nach noch bekannt ist. Schon mehrere Berichterstatter, die über Lenneper Straßen und Gassen in verschiedenen Jahrzehnten für die Zeitungen Beiträge verfassten, haben sich schon vor mir mit der Rospattstraße und deren Namensgeber beschäftigt.

So schrieb etwa mein Jugendfreund Rolf Lotzmann im Jahre 1991: Fast wie mit dem Lineal gezogen wirkt die Rospattstraße, die über den Talsperrenweg (getrennt durch die Ringstraße) den Kern Lenneps auf direktem Weg mit dem Hasenberg verbindet. Die Nachforschungen im Stadtarchiv ergaben aber, dass die Bürger an eine Ausdehnung Lenneps, also an eine Wohnbebauung des Hasenbergs, damals noch gar nicht gedacht hatten, als sie am 23. Juni 1885 der Stadtverordnetenversammlung vorschlugen, den Weg in Richtung der öffentlichen Badeanstalt (im Tal jenseits der Ringstraße) in Rospattstraße zu benennen. Vielmehr wollten sie die Arbeit eines Landrats würdigen, der viel für Lennep getan hatte, der aber weder hier geboren, noch in Bergischer Erde beigesetzt wurde.

Ja, direkt bergisch war dieser Landrat zwar nicht, seine Familie jedoch immerhin überwiegend rheinisch. Die Mitglieder der Familie Rospatt waren in älterer Zeit meistens Gutsbesitzer, hatten später jedoch hauptsächlich studierte Berufe und dienten im preußischen Berufsbeamtentum als Räte, Präsidenten oder Professoren. Der Großvater von Lambert Rospatt war noch Gutsbesitzer in Bonn. Einer seiner Brüder war Reichsgerichtsrat und ein anderer Geheimer Baurat. Durch seine Heirat mit einer Tochter aus dem Lenneper Handelsunternehmen Fuhrmann wurde Lambert Rospatt zwischenzeitlich zum Lenneper. Zu der genannten Heirat heißt es in einer in den 1920er Jahren entstandenen Geschichte der Familie Fuhrmann:

Julie Adele Fuhrmann, geboren am 22. Juli 1843 in Lennep, heiratete daselbst am 12. Mai 1864 Lambert Josef Rospatt, geboren am 20. Februar 1829 in Münstereifel. Julie und Lambert Rospatt zogen 1866 nach Lennep. Beide waren heitere frohe Naturen, die es verstanden, dem Leben stets die besten Seiten abzugewinnen. Das Haus Rospatt mit seiner lustigen Kinderschar am Thüringsberg war für alle Verwandten, wenn sie in Lennep waren, ein beliebter Mittelpunkt. Im Winter wurde gemeinsam von der „Knusthöhe“ herab gerodelt, lustige Schneeballschlachten wurden geschlagen, und kunstvolle Schneemänner zierten den Garten des gemütlichen Rospattschen Hauses (heute Thüringsberg 6 ).

Lambert Rospatt studierte Jura in Bonn und gehörte dort dem Corps Palatia an. Im 19. Jahrhundert zählte diese studentische Verbindung vor allem Mitglieder aus Industriellen- und Unternehmerfamilien zu seinen Mitgliedern (z.B. auch Leverkus und Haniel), weiterhin aber auch zahlreiche Politiker.

Im Jahre 1866 wurde Lambert Rospatt als Nachfolger von Emil August von Bernuth Landrat in Lennep. Von September 1870 bis Februar 1872 war er Unterpräfekt in dem bisher französischen Chateau-Salins in Lothringen und übernahm dann wieder die Leitung des Kreises Lennep. Im Jahre 1882 wurde er auf eigenen Wunsch als Regierungsrat ins damals ebenfalls preußische Wiesbaden versetzt, wo er noch bis zum Jahr 1900 wirkte und im Jahre 1902 starb. Die Freunde und Verehrer aus dem Kreis Lennep widmeten ihm beim Weggang ein von dem bekannten bergischen Dichter Emil Rittershaus verfasstes Gedicht auf ihn und seine Tätigkeit als Landrat. Bei seinem Weggang aus Lennep folgte ihm der Gerichtsassessor Richard Koenigs als Landrat bis zum Jahr 1899.

In der Folge von Bernuth, Rospatt und Richard Koenigs sollte auch das ehemals preußische Landratsamt näher erwähnt werden, das ursprünglich für die Lenneper Kaufmannsfamilie Fuhrmann erbaut wurde und, wenn auch verändert, als Gebäude heute noch besteht. Es befindet sich, als Wohneinheit der Lebenshilfe Remscheid jetzt genutzt, am Thüringsberg Nr. 6 (früher Alleestraße), wo auch eine Schautafel mit historischen Informationen angebracht ist, woraus hervor geht, dass die Villa von 1824 bis 1889 als Preußisches Landratsamt diente, und vom Lenneper Baumeister Schmidt 1893 für die Familie Pocorny (Hardt & Pocorny) umgebaut wurde. Das zurückliegende Gebäude links daneben mit dem als Halbrelief modellierten Pferdekopf zur Straße hin war im 19. Jahrhundert die der eigentlichen Villa zugehörige Remise, wo zunächst Pferde, später auch die ersten Automobile eingestellt waren. Der modellierte Pferdekopf weist noch heute auf die Zeit der Kutschwagen zurück. Ich erinnere mich noch, dass mein Vater, wenn er hier vorüber ging, den Satz aus dem Märchen „Die Gänsemagd“ der Brüder Grimm aussprach: „Falada, da Du hangest“. Anders als in diesem grausamen und meiner Auffassung nach für Kinder gänzlich ungeeigneten Märchen antwortete der Pferdekopf jedoch hier nicht.

Die Kutscher wohnten früher in einer kleinen Wohnung meist über der Wagenhalle, noch bis zum 2.Weltkrieg war dort ein ehemaliger Diener mit seiner Familie zuhause. Das war der „alte Johann“, der in Wirklichkeit natürlich anders hieß. In der bereits erwähnten Geschichte der Lenneper Familie Fuhrmann findet sich in dem Kapitel über Julie und Lambert Rospatt und ihre Nachkommen eine sehr schöne Federzeichnung des in den 1820er Jahren entstandenen Landratamtes, der Eingang befand sich seinerzeit noch auf der Straßenseite, direkt an der Straße ist ein Wachhäuschen zu sehen, und man erblickt außer der genannten Remise im Hintergrund das sandsteinverblendete Fuhrmannsche Haus an der Lüttringhauser Straße 3, später Cornelia-Hentzen-Haus und Sitz der evangelischen Kirchenverwaltung. Es wurde im Jahre 1840 für Fuhrmann vom Vater des Lenneper Baumeisters Albert Schmidt erbaut. Amtlicher Nachfolger des Preußisch Königlichen Landratsamtes am Thüringsberg war übrigens das in den Jahren1887-89 erbaute Kreishaus an der Kölner Straße. Hier ging der Auftrag seitens des amtierenden Landrats Richard Königs an den ursprünglich aus Köln stammenden Berliner Geheimrat Schwechten, der mit dem ebenfalls in ganz Preußen wirkenden Bildhauer Robert Baerwald 1889 auch noch das Kaiserdenkmal am Mollplatz, damals Kaiserplatz, baulich realisierte.

Obwohl die Ära Rospatt für die Stadt Lennep und ihren Landkreis, wie man so sagte, äußerst segensreich war, ist bis heute in der Lenneper Bevölkerung über diesen Landrat vergleichsweise wenig bekannt. Albert Schmidt weist in seinen Erinnerungen darauf hin, dass Landrat Rospatt z.B. ein treibendes Element im 1869 gegründeten Verschönerungsverein war, dessen Statut vom 10. August d.J. ich noch in einem zeitgenössischen Originaldruck in meinem Archiv verwahre. Namhafte Bürger aus Handel, Wirtschaft, Politik und Verwaltung fanden sich hier zusammen. Der Verein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, nicht allein das Stadtbild zu verschönern, sondern auch neue Wege anzulegen und vorhandene für die Spaziergänger zu verbessern. In der nahen Stadtumgebung sollten Anpflanzungen schöner und nützlicher Bäume geschaffen werden. Die erste Anlage dieser Art war die Nordringallee (heute Albert-Schmidt-Allee) an Stelle eines alten Hohlwegs. Der damalige Landrat Rospatt, schrieb Albert Schmidt, war sozusagen ihr Schöpfer. Dann folgte der Ausbau der Hohlgasse von der Diepmannsbacher Straße bis zur Karlshöhe, welche später durch den Bau der Eisenbahn etwas verlegt werden musste. Die Hackenberger Straße, die Anlagen auf dem Thüringsberg, vor der Kaufmannsgesellschaft an der Bergstraße (mit der späteren Friedenseiche) und auf dem Bismarckplatz, der Ostring (heute Hentzenallee) mit seinen schönen Ebereschen und die Schrödershöhe wurden angelegt. Als letzte größere Anlage ist der Verbindungsweg zwischen Neuenteich und Talsperrenweg mit einseitiger Baumreihe geschaffen worden, um einen erholsamen Rundweg (fast) um die ganze Stadt herzustellen. Landrat Rospatt war nach Albert Schmidt übrigens auch ein eifriger Förderer und Benutzer der offenen Badeanstalt an der Udelschen Beek jenseits der Ringstraße, und er veranlasste auch, dass der Verschönerungsverein den oberen Talsperrenweg und den Weg zum Badeteich ausbaute. Nicht zuletzt deswegen hat man ihm zu Ehren den Weg dorthin von der Wupperstraße aus Rospattstraße genannt.

Kommen wir zuletzt zurück auf das eingangs erwähnte Bild aus meinem Lennep-Archiv. Es wurde dem Landwehr-Verein zu Lennep im Jahre 1881 zu seinem 25jährigen Stiftungsfest vom Landrat Rospatt höchstpersönlich zugeeignet. Für den Fotografen posiert er selbst vorne in der Mitte sitzend, umgeben von einem Feldwebel und einem Leutnant. Die stehenden Herren sind durchweg Lenneper Bürger des Mittelstands, die z.T. zeitweilig auch Stadtverordnete waren, von links nach rechts: J. Hager, H. Krautmann, C. vom Berg, C. Hager, J. Peipers, H. Girardet und H. Hammacher. Über jede Familie könnte man eine Geschichte erzählen, z.B. wie es durch die hugenottische Buchbinderfamilie Girardet aus Lennep zur Westdeutschen Zeitung kam. Bei den Genannten handelt es sich gemäß einer unter der Abbildung stehenden Beschriftung um eine „Gruppe der 3. Compagnie (des) Landwehr-Bataillons Graefrath (im) August 1870 in Wilhelmshafen“, gemeint ist Wilhelmshaven, wobei aber gerade um diese Zeit die Schreibweise umstritten war. In diesem Jahre, und damit 20 Jahre vor der Abtretung Helgolands vom Vereinigten Königreich an das damalige Deutsche Reich, wurde übrigens der Schiffsverkehr von Wilhelmshaven zur Insel Helgoland aufgenommen, und in Solingen-Gräfrath erinnert noch heute die Garnisonstraße an die Landwehrsoldaten, die im 19. Jahrhundert hier „lagen“, also stationiert waren. Bestimmte Landwehreinheiten waren damals übrigens im ehemaligen Kloster, dem jetzigen Klingenmuseum, einquartiert und benutzten als Exerzierplatz den heutigen Sportplatz am „Lichtturm“.

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