Einkaufen in der Adventszeit – Vergangene Kaufhäuser in Lennep

05 Dezember 2015 , Verfasst in Aus dem alten Lennep 

Jetzt naht sie wieder, und natürlich auch in Lennep, die Advents- und Weihnachtszeit, in den Häusern werden die Vorbereitungen für das Fest getroffen, und viele Leute denken daran, „wie et fröher wor“. Manche ältere Mitbürger erinnern sich noch an die Zeit der Kriegsweihnachten in den 1940er Jahren, das Bild der Söhne in Uniform auf dem bescheidenen Gabentisch, und hoffentlich noch ohne schwarzes Band. Außer derartigen Fotos fand ich in meinem Lenneparchiv auch Belege dafür, dass die Weihnachtszeit bei uns vor mehr als 100 Jahren nicht nur ein Fest der christlichen Freude, sondern schon damals auch eine intensive Zeit für die Lenneper Kaufhäuser und Einzelhandelsgeschäfte war. Seltsam, jetzt im Jahre 2015 hat Lennep eigentlich gar kein Kaufhaus mehr, auch wenn in vielen Filialen der großen Lebensmittel- und Drogerieketten auch Haushaltsgegenstände z.B. zu kaufen sind. Auch die Bekleidungsfachgeschäfte dünnen sich in Lennep nach und nach zahlenmäßig aus, und die ehemalig bekannten Schuhgeschäfte sind alle verschwunden. Ob man nun die letzte Zeit des Hertie-Kaufhauses im Rückblick überhaupt noch schön finden konnte, wo doch das Angebot immer schmaler wurde, das lassen wir mal dahin gestellt. Immerhin stellte Hertie noch eine letzte Version eines traditionellen Kaufhauses dar, die Rentner trafen sich dort gerne schon zum Frühstück, und das jetzt viel diskutierte Outlet-Geschäftszentrum der Zukunft bezieht sich unter dem Strich doch eher nur auf Bekleidung, ein traditionelles Warenhaus oder Kaufhaus ist es nicht.

Ja, wer kennt denn die Lenneper Kaufhäuser noch, verbunden mit den Namen Albert Dörrenberg, dessen Gebäude in Lennep nacheinander an verschiedenen Stellen standen, Karstadt, zwischenzeitlich Karzentra genannt und zuletzt in Hertie-Regie, Klasing & Baumann, Kühner an der unteren Schwelmer Straße und dem zeitweilig sog. Seifenhaus, besser bekannt später als Kaufhaus Drewes, in dessen Räumlichkeiten zuletzt das Drogerieunternehmen Ihr Platz untergebracht war, bevor dieses in die früheren Räume von Klasing & Baumann umzog. Alles dies gehört heute einer vergangenen Zeit an. Aber gerade deswegen soll dies uns heute Anlass sein, sich damit noch einmal historisch unter dem Gesichtspunkt Alt-Lenneps zu beschäftigen.



Im Jahre 1975 feierte das das heute nicht mehr existente Kaufhaus Kühner zwischen dem Lenneper Kirchplatz, der Schwelmer Straße sowie der Bachstraße sein 125jähriges Bestehen. Einem historischen Zeitungsbericht zufolge konnte man dort in der ersten Zeit nicht nur Glas- und Eisenwaren kaufen, sondern auch Obst und Früchte. Am bekanntesten war Kühners Schweizer Bärenschokolade; sie soll die erste und beste im Bergischen Land gewesen sein. Das ist nun im heutigen Rückblick 165 Jahre her, und Kühners Kaufhaus befand sich damals noch am Alten Markt in Lennep, im späteren „Bergischen Hof”, in dessen Neubau sich heute die Wirtschaft „Sowieso“ befindet. Der Gründer war Adam Eduard Kühner, von dem ich in meinem Lenneparchiv sogar noch einen originalen handgeschriebenen Geschäftsbrief verwahre, ein Spross einer aus der Schweiz nach Baden gekommenen Familie, der von Langenberg in die alte Bergische Kreisstadt zog und hier ein Eisen- und Manufakturgeschäft aufmachte. Die Brüder Eduard und Georg Heinrich Kühner erweiterten das väterliche Geschäft später an der Schwelmer Straße. 1905 führte Georg Heinrich Kühner die Firma unter der heute bestehenden Firmierung allein weiter, drei Jahre später schloss die Firma sich der damals bekannten Einkaufsgenossenschaft „Nürnberger Bund” an. 1950, also 100 Jahre nach der Gründung der Firma, wurde auf der Alleestraße in Remscheid eine Filiale eröffnet und neun Jahre später in größere Räume verlegt. Das Geschäft in Lennep erhielt zuletzt 1965 durch Um- und Ausbau ein neues Gesicht unter dem Aspekt einer modernen Präsentation des vielgestaltigen Angebots. Wer von uns Älteren hätte nicht in seiner Jugend mit den Eltern hier eingekauft, auch Geschenke für besondere Ereignisse wie Konfirmation oder Heirat. Wenn dies nun alles auch vergangen ist – das Kaufhaus Kühner war sozusagen das erste Kaufhaus im historischen Lennep.

Nicht das erste, aber mit Sicherheit bedeutender und im Stadtbild weit sichtbarer, waren die späteren Kaufhäuser der Familie Dörrenberg. Diese taucht in den Lenneper Adressbüchern erst nach 1902 auf, und die Lenneper Postkarten um 1910 weisen aus, dass sich das erste Warenhaus in der Wetterauer Straße 4 befunden hat, im späteren Modehaus, das nun in Lennep 2015 auch geschlossen wurde, links neben der jetzt Bergischen Buchhandlung R. Schmitz. Bereits vor 1910 war jedoch das das Kaufhaus in der Wetterauer Straße schon zu klein geworden, und der Eigentümer Albert Dörrenberg ließ sich auf dem ehemaligen Grundstück der Wirtschaft Vollmer an der Ecke Wupper- und Kölner Straße ein modernes Gebäude errichten. Während uns heute dieses Lenneper Kaufhaus bildhübsch historisch anmutet, wenn es sich nicht gerade wegen seines Leerstands verdreckt zeigt, war augenscheinlich seine Erstellung für so manchen Lenneper Bürger damals mit den Erinnerungen an die gute alte Zeit verbunden, die nun mit diesem „modernen Klotz” zu Ende ging. Nur noch Erinnerungen gab es hinfort an die früher dort befindliche „Gesellschaft Union“ mit einer Kegelhalle, einem Konzertsaal und dem beschaulichen Gärtlein.


Das neue Kaufhaus von 1912-13 war das Werk des Düsseldorfer Architekturbüros Klose und Schäfer, das seinerzeit auf Warenhäuser und Geschäftshäuser spezialisiert war und unter anderem für das in Köln ansässige Warenhaus-Unternehmen Gebr. Alsberg AG arbeitete. Die Architekten waren indirekt mit der Darmstädter Jugendstilbewegung verbunden und erstellten in der Zeit zwischen 1911und 1921 Waren- und Geschäftshäuser auch in Düsseldorf, Gelsenkirchen Kleve und Bochum. Der Kaufhausbesitzer Albert Dörrenberg plante aber seit 1910 vor Ort nicht nur sein neues Kaufhaus, sondern links nebenan auch gleich seine Privatvilla, die sich aufgrund beengter Grundstücksverhältnisse an der Wupperstraße (die umliegenden Grundstücke gehörten ausnahmslos der Familie Hardt) von vorne herein nahtlos an das Kaufhaus anschließen sollte. Anders als beim Kaufhaus entschied sich Dörrenberg, entsprechende Planungszeichnungen sind noch vorhanden, hier für den Lenneper Architekten Paul Dürholt, der an den Technischen Hochschulen in Stuttgart und München studiert hatte. Über die Villa Dörrenberg heißt es in einer zeitgenössischen Veröffentlichung der Lenneper Firma Wender & Dürholt: „In technischer Beziehung muss sie als äußerst geglückt angesprochen werden. Es ist dem Architekten gelungen, auf sehr beschränktem Raume neben dem Warenhaus ein Wohnhaus unter besonderer Berücksichtigung der Lage der Wohnräume nach Süden und Osten zu errichten, wobei auch der Raum für einen kleinen Garten erübrigt werden konnte.“ 1926 wurde das Kaufhaus der Bekleidungsfirma Dörrenberg von der Rudolph Karstadt Aktiengesellschaft übernommen. In den 1930er Jahren dann wurde Karstadt in „Karzentra“ umfirmiert, um später doch wieder „Karstadt“ zu heißen. 2005 wurde das Haus zusammen mit 73 weiteren, kleinen Filialen zu „Karstadt Kompakt“ zusammengefasst und vom finanziell angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzern an britische Investoren verkauft. Seither liefen in Lennep Umstrukturierungen. Der in Rot gehaltene Schriftzug „Hertie“ an der Fassade stand für das Kaufhaus bis 2008. Die Lenneper sind im Jahre 2015 gespannt, wie sich die weitere Nutzung entwickelt.

Vor 1913 gab es in der bergischen Kreisstadt Lennep auch schon das das Bekleidungskaufhaus Klasing & Baumann. Der heute noch imposante Bau an der unteren Kölner Straße in der Nähe des Restaurants Kölner Hof stellte sich in der Vorweihnacht des Jahres 1911 in einer opulenten Zeitungsdoppelseite dar, dort, wo mehr als ein halbes Jahrhundert später die Drogeriekette Ihr Platz residierte. Heute stehen die Räumlichkeiten leer und sind zu vermieten. Der große Bau wendet sich rückseitlich in Richtung des Lenneper Viertels Kraspütt, und wenn man die schmale Gasse zwischen dem ehemaligen Kaufhaus und dem nun ebenfalls vergangenen Elektrohaus Karstens anschaut, dann erblickt man einen Übergang, der vielleicht an eine Art Seufzerbrücke erinnert. Im Blick auf das weitere Kaufhaus in Solingen bezeichnete Klasing & Baumann sich damals als das Erste Modenhaus des Bergischen Landes und als Haus der guten Qualitäten. Eine gezeichnete Idealansicht ließ das Lenneper Geschäftshaus – wie damals üblich – wesentlich größer erscheinen als es wirklich war, ähnlich wie bei den Idealansichten der Maschinenfabrik Haas, der Feilenfabrik Carl Offermann oder bei der Firma Wender & Dürholt in der nicht weit entfernten Wupperstraße.


Beim genannten Großen Weihnachtsverkauf erhielt auf Wunsch jeder Kunde damals einen schönen Abreißkalender für das Jahr 1912 gratis. Für heutige Verhältnisse ist bemerkenswert, dass nicht nur an allen Sonntagen im Dezember geöffnet war, sondern am Heiligabend auch abends. Schwere Sportmäntel vom Typ Ulster für Herren und Jünglinge in englischem Genre kosteten damals 13 Mark fünfzig. Vor dem wenige Jahre später beginnenden Ersten Weltkrieg war die Reichsmark noch etwas wert.
Kehren wir noch einmal in die sehr nahe gelegene Wetterauer Straße zurück, über deren Namensgebung sich schon ganze Generationen Gedanken machten. In den Straßenverzeichnissen heißt es: Bezeichnung unbekannter Herkunft, und heute kann man sich natürlich nicht vorstellen, dass im bergischen Lennep eine Straße nach der hessischen Region Wetterau benannt wurde. Des Rätsels Lösung ist u.U., dass diese fruchtbare Region dem Begriff nach früher bis ins Rheinpreußische weit hinein reichte, wo die auch für Lennep zuständige Hauptstadt Koblenz gelegen war. Auch Düsseldorf hatte früher eine Wetterauer Straße. Die Wetterauer Straße in Lennep ist bis heute neben der längeren Kölner Straße der Sitz vieler Einzelgeschäfte, und tatsächlich gab es hier nach dem zweiten Weltkrieg auch ein –wenn auch kleines- Kaufhaus. Ich erinnere mich noch genau, dass meine Großmutter dort mit mir ins sog. Seifenhaus ging, das später als Kaufhaus Drewes bekannt war. Später prangte dann das Blumen-Markenzeichen der Drogeriekette Ihr Platz am Eingang des modernen Hauses. Der Zusammenhang erschließt sich, wenn man weiß, dass die Märkte der vergangenen Ihr Platz GmbH von 1958 bis 1973 den Namen „der seifen-platz“ trugen. Auf den frühen Lenneper Postkarten erblickt man genau an dieser Stelle ein uraltes Fachwerkhaus an der damals gepflasterten und heute wieder gepflasterten Straße. Örtlichkeit und Haus waren den Lennepern früher als „schmerige Pann“ bekannt, was weniger auf eine schmutzige Wirtschaft als vielmehr darauf zurückzuführen ist, dass der Untergrund dort sehr glitschig war.

Wie bereits angedeutet, waren die Lenneper Kaufhäuser auch früher schon sehr geschäftstüchtig. In der Adventszeit und direkt zu Weihnachten und Neujahr fiel der Lenneper Geschäftswelt wie auch heute immer etwas Neues ein. Karstadt feierte z.B. sein fünfjähriges Bestehen in Lennep 1930 mit dem Slogan: Einmal bei Karstadt – Immer bei Karstadt und sprach vom Fest der Käufer und Rekordleistungen. In der Zeitung hieß es: „Alle Freunde unseres Hauses sind zu unserem Freudentag eingeladen, da sie durch ihre Treue an dem gewaltigen Aufstieg unseres Unternehmens, dem großen maßgebenden Unternehmen des bergischen Landes in Lennep teilgenommen haben.“ Um erneut „einen Beweis ihrer Leistungsfähigkeit zu geben“, veranstalteten die Geschäfte vom 14. bis 21. Dezember 1930 die Großen Weihnachts-Werbetage.

Eindringlich hieß es schon damals, als man noch nicht an ein Outlet-Verkaufszentrum außerhalb des alten Stadtkerns dachte: „Besuchen Sie für Ihre Weihnachtseinkäufe die Lenneper Geschäfte, Sie werden sich überzeugen, dass Sie dort reell und preiswert bedient werden. Auch in Bezug auf die Auswahl sind die Lenneper Geschäfte denen der Großstädte durchaus ebenbürtig.“ In einem der großen Schaufenster der schon erwähnten Haushaltswarenfirma Heinrich Kühner hatten ca. 40 Lenneper Einzelhändler kleinere Präsente ausgestellt, die durch eine Verlosung an die Käufer kamen, sicherlich für die mitmachenden Geschäftsleute der damaligen Werbegemeinschaft nicht n u r eine gute Tat. Unter den damaligen Geschäftsleuten findet man so manche Firma, die heute noch besteht bzw. solche, von denen die meisten von uns noch gehört haben wie z.B. Feinkost Josef Johnen am Markt, die Buchhandlung Richard Schmitz in der Wetterauer Straße, Daniel Witscher in der Kölner Straße, bekannt für Tapeten, Farben und Lacke. Auch die Firma Euler am Alten Markt bestand bis in das Jahr 2015. Heute wohl nicht mehr bekannt ist die Herd- und Ofenhandlung der Gebrüder Bauerband an der Poststraße 1, deren Nachfolger die Firma Adolf Liesenthal war, die sich ab 1937 nach dem Umzug in die Kölner Straße zeitgemäß lieber Liesendahl nannte. Für heutige Verhältnisse ist bemerkenswert, dass nicht nur an allen Sonntagen im Dezember geöffnet war, sondern am Heiligabend auch abends. Schwere Sportmäntel vom Typ Ulster für Herren und Jünglinge in englischem Genre kosteten damals 13 Mark fünfzig. Vor dem wenige Jahre später beginnenden Ersten Weltkrieg war die Reichsmark noch etwas wert. Und damit wünsche ich ein schöne Adventszeit und ein ruhiges Weihnachtsfest ohne Geschäftsrummel.

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